Über Christopher Brookmyre hatte ich schon häufiger geschrieben, über seine Bücher eher seltener. Be my enemy ist ein klassisches Buch des schottischen Autoren. Einerseits ist es eine Persiflage, in der Brookmyre all das durch den Kakao zieht, was ihm “lieb und teuer” ist (und das ist hier insbesondere der Thatcherismus und seine Überbleibsel), zum anderen ist es, soweit der Humor es zulässt, ein knackiger Thriller.
Im Zentrum steht Jack Parlabane, Aufdeckungsjournalist und regelmässiger Held bei Brookmyre. Parlabane ist eingeladen worden um über Ultimate Motivational Leisure (UML) zu berichten. Die neugegründete Firma versteht sich als Motivationsspezialist, der Outdoorevents, Abenteuer und die rauhe Natur nutzt um Menschen zusammenzuschweißen. Wer immer meint, seine “human ressources” intensivieren zu wollen, bei UML sei er richtig.
Nun, zur Gründung und dem ersten Demowochenende sind einige Gäste geladen, die die Spielchen am eigenen Leibe erleben und davon berichten sollen. Irgendwann allerdings beginnt die Sache aus dem Ruder zu laufen und am Schluss finden sich die Gäste einer Truppe von willigen Killern gegenüber. Man verrät nicht zuviel, wenn man erzählt, dass am Ende die Bösewichte der Lächerlichkeit Preis gegeben wurden und und die Guten gewonnen haben werden.
Es gilt hier, dass der Weg das Ziel ist. Brookmyres Bücher haben immer Passagen, bei denen er gewissermassen eine Auszeit nimmt, die Zeit anhält und einzelne Charaktere über deren innere Monologe ausführlich darstellt. Und zudem liest man seinen Büchern an, wie sehr es ihm Spass macht, überbordernde Plotkonstruktionen zu bauen, die den meisten anderen Autoren schon lange vor die Füsse gefallen wären. Kernstück seiner Bücher ist immer das Herziehen über seine Themen, wie Tories, aalglatte Politiker, Blair usw. Bedauerlicherweise sind ihm in den letzten Jahren ein wenig die Gegner abhanden gekommen, so ist es diesmal die alterwürdige Maggy Thatcher und der Versuch im Bewusstsein der Twintower-Ereignisse eine Geschichte zu erzählen, die die Fragwürdigkeit der staatlich legitimierten Tötung von Andersdenkenden thematisiert.
Brookmyre ist ein außergewöhnlich witziger und substanzieller Schreiber. Be my enemy ist ein nicht so gelungenes Buch, die Geschichte ist mehr als haarsträubend und überdurchschnittlich blutig. Sein scharfer Humor hat diesmal nicht so recht ein Objekt und “wandert” ein wenig ziellos umher. Wie The Art of Stealing und A tale etched in blood and hard black pencil zeigten, ist er ein wenig in Gefahr unter die Räder der idiologischen Moderne zu geraten. Diese bietet ihm kein rechtes Ziel mehr.
bernd




