Manchmal lässt einen die Lektüre eines Buches seltsam irritiert zurück und man weiß gar nicht, wie man ein Buch beurteilen soll. Who is Conrad Hirst ist so ein Buch. Ich brauchte eine Weile um zu verstehen, dass der Grund hierfür meine Erwartungshaltung war.
Conrad Hirst ist ein Mann, der sich verloren hat und nun wieder sucht. Alles begann, als er vor 10 Jahren durch die Welt stromerte, letztlich in Jugoslawien hängen blieb und dort eine Frau kennen und lieben lernte. Nachdem er die Nachricht erhalten hatte, dass sie bei einem Anschlag umgekommen sei, verliert er sich in einen Job als Profikiller. Mit der Zeit erwirbt er den Ruf unbestechlicher Souveränität.
Neun Jahre später, bei seinem letzten Job passiert etwas und er entdeckt, dass er nicht mehr mag. Er kennt natürlich die Spielregeln des Gewerbes, vier Personen sind es, so ist er sich sicher, die um ihn wissen. Vier Personen, die er einfach töten muss, um sich vom Job trennen zu können.
Das Buch ist nun allerdings kein Thriller, der nur einfach den Weg eines Killers „in die Freiheit“ nach vollzieht. Kevin Wignall verfolgt ein anderes Ziel und zeichnet den Weg des Menschen zu sich selber nach. Conrad Hirst geht nämlich von einer falschen Prämisse aus und entdeckt sein blaues Wunder.
Das ist nun erzähltechnisch eine feine Annahme um die Geschichte voranzubringen und eine ganz andere Geschichte zu erzählen, als vom Leser erwartet. Das führt allerdings dazu, dass die Schlagzahl ‘rausgenommen wird, und die Geschichte eine Innerlichkeit erhält, die für einen klassischen Thriller ungewöhnlich ist. Das hat ein wenig von Eric Ambler, wenn es auch zeitgemäßer und blutiger daher kommt. Und doch es bleibt eine gewissen Kühle. Es scheint im Buch kaum jemanden zu schockieren, wenn Menschen umkommen. Thrill kommt also kaum auf.
Wignall dreht aber noch eine feine Schleife mehr, denn das was dem Helden passiert ist, warum soll es nicht auch dem Leser passieren. Conrad Hirsts Geschichte über die verlorene Persönlichkeit, die könnte man ja auch als klassischen Roman, fern aller Krimikonvention darstellen. Durch seine zusätzliche Schleife zeigt er, so gesehen, auch den Unterschied auf, der zwischen Erzählung und Krimis besteht.
So blutig es auch sein mag, das Buch arbeitet mit einem eingeschränkten Personenrepertoir und Orten, die Hintergrund, aber nicht Objekte genuiner Atmosphärenzuschreibung sind. So hat es eine Anmutung, die an ein Theaterstück erinnert und deshalb ist es vielleicht auch kein Wunder, dass die Filmrechte schon vergeben sind und ein Kinofilm geplant ist.
bernd




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