Missing Witness zelebriert den US-amerikanischen Gerichtsprozess als Theateraufführung, bei der der Anwalt seine Präsentation der „Wahrheit“ sorgsam vorbereitet. Eindruck ist alles, beginnt bei der Kleidung und hört bei der Art des Vortrags noch lange nicht auf. Manchmal, so wie in diesem Buch, geht das Ganze auch nach hinten los und ein Anwalt wird mit den Früchte seiner Arbeit konfrontiert – das fällt dem Leser des Buch aber erst zum Ende des Buches hin auf.
Doug McKenzie ist ein junger Anwalt, begabt offensichtlich, wäre für seinen ersten Job auch bei einer noblen Praxis in San Franzisco untergekommen. Stattdessen hat er aber in Phönix, Arizona angeheuert. Keine schlechte Wahl in seinen Augen, nicht nur dass er dort in der Region aufgewachsen war, sondern Dan Morgan, der Strafverteidiger der Kanzlei ist legendär und bei ihm will Doug das Handwerk lernen.
Gelegenheit hierzu erhält er, als Morgan von Dougs Vaters früheren Arbeitgeber, dem reichen Gutsbesitzer Ferris Eddington beauftragt wird, dessen Schwiegertochter zu verteidigen. Diese hatte zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter das Haus ihres (Noch-)Ehemanns betreten, kurze Zeit später hört ein Zeuge Schüsse und sieht die Beiden das Haus verlassen, die Mutter mit der Waffe in der Hand.
Ganz klar: Die Verteidigung führt eigentlich nur über die junge Tochter, die fällt aber kurz nach der Tat in die Katatonie (Starre) und reagiert auf Ansprache nicht mehr. Der Prozess nimmt seinen Lauf und am Ende gibt es auch ein Urteil. Damit aber nicht genug. Die Geschichte geht weiter und entfaltet sich zu einer komplexen Rätselgeschichte, die den Leser bis zum Schluss mit immer neuen Wendungen und Überraschungen in Atem hält.
Anfänglich wirkt das Ganze noch etwas zäh, so erfährt man etwa ausführlich von der Arbeit und dem Umgang in einer erfolgreichen Kanzlei mit mehreren Partnern. Rückblickend mag man dann zugestehen, dass diese Darstellung dem atmosphärischen Hintergrund dient. Wie überhaupt die Atmosphäre Arizonas ebenso plastisch wirkt, wie das Buch mit intensiven Darstellungen vieler interessanter Charaktere überzeugt.
Missing Witness ist ein ganz exquisites Buch, welches nicht nur die (bekannten) Schattenseiten des Rechtssystems andeutet, sondern durch seine gelungenen Darstellungen und einem erstklassigen Finish als typisch amerikanisches Buch überzeugt und dem Gerichtsthriller dadurch überraschende Momente abgewinnt, dass die Zeit im Gerichtssaal, eben nur einen Teil des Buches ausmacht.
bernd




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[...] hatten wir das bei Michael Connellys Lincoln Lawyer, weniger ausführlich auch bei Gordon Campbells Missing Witness, welches letztes Jahr ins Rennen um das beste erste Buch ging. Peacock beantwortet die Frage [...]