(Deutsch: Stalins Geist)

Martin Cruz Smith ist nicht nur einer der dienstältesten aktiven Krimiautoren, sondern er ist auch der Vater eines der modernen Klassiker des Genres. Gorky Park beschrieb eine Welt vor dem Untergang, Cruz Smiths jüngstes Buch, Stalin’s Ghost berichtet aus der Gegenwart, aus einem Russland, welches noch keine neue Ordnung gefunden hat und in dem mancher sich in die frühere Zeit zurücksehnt.
Stalin’s Ghost ist ein sehr reiches Buch, das eine Vielzahl von Handlungssträngen unterhält und auf unterschiedlichen Ebenen miteinander verknüpft.
Eigentlich hat Arkady Renko eine sehr undankbare Aufgabe, er soll die Erscheinung aufklären, die als Stalins Geist bekannt ist. Wiederholt haben U-Bahnfahrer in Moskau davon berichtet, dass Stalin in einem alten Bahnhof auftaucht. Gleichzeitig versucht Renko mit einem Kollegen eine Frau hops zu nehmen, die einen Killer für ihren Mann sucht, soll einen alten verdienten Genossen und Schachgroßmeister bewachen, dessen Schachclub mitten in Moskau ein Dorn im Augen von Investoren ist und macht sich Sorgen um seinen „Ziehsohn“, der sich nur selten sehen lässt.
Und irgendwie stößt Renko auf eine Gruppe alter Tschetschenien Kämpfer und zwar nicht irgendwelcher Kämpfer, sondern den Besten, den Black Berets. Deren Aushängschild und Held des Kriegs gegen den Terror in Tschetschenien ist Nikolai Isakov, der sich nun als Politiker versucht; Mann gegen Mann geht es, denn im Zentrum des Interesses der beiden Männer steht … eine Frau … Eva, Renkos Geliebte, Überlebende der Tschernobylkatastrophe, Ärztin in Tschechenien, Handlungsreisende in Sachen Humanität, die im Kriegsgebiet Isakov kennengelernt hatte und sich von diesem Mann und seiner kraftvollen Persönlichkeit angezogen fühlt.
Aber nicht nur Stalin, der alte Haudegen taucht auf, der Winter geht zu Ende und alte Leichen werden in Moskau von der Erde freigegeben oder deren Gebeine in Tver (Twer) von Freiwilligen der Erde entrissen. Dieses so abwechslungsreich geschriebenes Buch, voll mit Handlungen und Anspielungen und Lektionen über Geschichte arbeitet sich an seinem Ende zu einer Ausgrabung von Opfern des zweiten Weltkrieges vor, die in ihrer übersteigerten Darstellung so prächtig ist, wie in ihrem Inhalt von hintersinniger “Bösartigkeit” ist.
Die Reichen werden Reicher, die Armen … stören die Geschäfte und sind Stimmvieh bei den Wahlen. Was da als gesellschaftlicher Kit dient, ist nicht so ganz klar, aber die Sehnsüchte nach Stalin wirken so nachvollziehbar wie die tschetschenische Situation undurchsichtig. Nur eines scheint klar: Die Restriktionen, denen sich Renko ausgesetzt sieht, haben sich im Vergleich zu früher irgendwie gar nicht geändert.
Deutscher Krimipreis, nominiert für den Hammett, hier darf man also auch mit der Lupe nach Makeln suchen. Wenn es denn etwas zu kritisieren gibt, ist es die schöne Ordnung, die Martin Cruz Smith am Ende herstellt. Mir ist natürlich klar, dass ein Krimi auch immer ein Betrag zum Thema “Unwahrscheinlichkeitstheorie“ ist, aber Stalin’s Ghost sammelt am Ende seine Stränge schon sehr passend ein.
bernd




Well, “nothing is holy”. Ich wusste nicht, dass die Krimis sich so mit jenen Themen einlassen. Und so sitze ich hier und frage mich, wie das wäre, ob komisch oder ernst gemeint, frivol oder kurzsichtig oder wie. Auch wohnen wir gleich neben der Dorfbibliothek, und man könnte wenigstens einmal zumindest versuchsweise….
Ja, aber nein. Man liest sehr langsam, weniger als ein Buch pro Monat. Die Leseliste wird dabei sehr lang und immer länger, da man auch gewisse Bücher alle paar Jahre gerne wieder läse. Jene Bücher verändern sich mit der Zeit sehr, erstaunlich und auf unglaubliche Weise:
Wie las ich diesen Henry James vor 5 Jahren und verstehe ihn nun nicht mehr?! In den Nietzsche-Aphorismen– warum, wieso habe ich den da markiert? Jeee, diese blöde Bemerkung: oder ist es die Handschrift meiner Schwester? Und voilà Heine abgestaubt, alle drei Bände, what a surprise; damit bin ich nun weg auf cloud nine until way after Easter.
Unabhängig von der Lesefrequenz, wird es kaum einen Leser geben, dessen Leseliste nicht immer länger würde. Und dann noch einmal lesen … in der Tat lockt es ab und zu. zu sehen, ob sich nicht die frühere Einschätzung geändert hätte.
[...] literarischen Krimileser – was man mit Abstrichen auch für Martin Smith Cruz‘ Stalins Geist (engl. Stalin’s Ghost) sagen [...]
[...] (engl. Vicious Circle) hält sich ein wenig hartnäckig auf Platz eins und Martin Smith Cruz‘ Stalins Geist (engl. Stalin’s Ghost) ist auf Altenteil geschickt [...]
[...] Union, by Michael Chabon •End Games, by Michael Dibdin •Dahlia’s Gone, by Katie Estill •Stalin’s Ghost, by Martin Cruz [...]
[...] von Michael Chabon • End Games, von Michael Dibdin • Dahlia’s Gone, von Katie Estill • Stalin’s Ghost, von Martin Cruz [...]
[...] den Müller nennt, finde ich recht wichtig. Denn sie hat völlig recht, so gut Cruz Smiths’ Stalins Geist auch sein mag, es bleibt das Buch eines Amerikaners, der nicht in Russland [...]
[...] Gewalt war er nicht vorbereitet. In diesen Passagen kann man das Buch als Ergänzung zu Stahlin’s Ghost (deutsch: Stalins Geist) von Martin Cruz Smith und dem unterschätzten Volk’s Game (deutsch: [...]
Das eigentliche Thema ist eine aktuelle Momentaufnahme Russlands, dass sich mit einer Gehirnhälfte noch Mitte des letzten Jahrhunderts befindet, mit der anderen aber den Raubtierkapitalismus (”Mach was ich will, oder ich erschieße Dich”) lebt.
[...] 2. Martin Cruz Smith – Stalins Geist [...]