Wir amüsieren uns zu Tode: Der Ripper Award - eine Nachlese
März 10, 2008 von krimileser
Für Declan Burkes Blog crime always pays hatte ich versucht, die Diskussion um den sog. Ripper Awards für englischsprachige Leser zusammenzufassen, wer mag, kann’s -> hier nachlesen. Für den Beitrag hatte ich die wenigen verfügbaren Internetseiten (vom Hellwegfestival oder von Dritten) zum Thema ausgewertet. Ganz klar: Viel Aufmerksamkeit erzeugt das Festival und sein Preis bisher nicht.
1. Das Festival
Liest man die die Seiten des Festivals, die Ankündigung für 2008, die Events 2006, findet man ein breites Spektrum an Veranstaltungen, die im Rahmen des “Mord am Hellweg” stattfinden. Da ist viel von Spaß und Event und Guter Laune die Rede, da weht so ein Geist von organisierter Pseudo-Subversivität durch die Darstellungen. Literatur, so scheint es, hat eher eine sekundäre Bedeutung und unter einer “Literaturveranstaltung”würde ich mir etwas anderes vorstellen:
- “Wer Gegenstände besitzt, mit dem sich gut morden lässt, bitte mitbringen und bei Raimon Weber abgeben.” [...] “… er demonstriert zahlreiche Methoden, wie man jemanden um die Ecke bringen kann: gängige wie Würgen, Erstechen oder Erschießen, einige ausgefallene mit Giftspinnen, Schlangen oder Fröschen oder absolut skurrile Methoden mit Hilfe von fleischfressenden Pflanzen, Bartstoppeln und Eiswürfeln.”
- “Auf der Jagd nach dem Mörder geht es mit dem Oldtimer durch die unterschiedlichen Landschaften der Hellweg-Region. Aber Vorsicht! Überall können Indizien auf den Mörder hinweisen. Beim gemeinsamen Abendessen wird der Mord dann hoffentlich aufgeklärt.”
- “Den Hellweg entlang werden mit dem Fahrrad Mordsmeilen abgeradelt. Zeitzeugen und kostümierte Henker geben sachkundig Auskunft. Bei Onkel Albrecht, dem Tatort eines spektakulären Mordes, wird der Mittagstisch eingenommen.”
- “Bis zu sechs Darsteller tragen knifflige Kriminalfälle auf der Bühne vor – ermitteln muss anschließend das Publikum. Moderator Georg Uecker (’Lindenstraße’, ‘Schillerstraße’) führt galant durch den Abend. Wer ist der Mörder? Raten Sie live mit und sichern sie sich schon jetzt die Chance auf die begehrte Trophäe ‘Die goldene Tappert’”
- “Ob Bondmelodien, ob Musik aus Mission Impossible oder halt der bekannte Schlager „Wenn die Mimi mit dem Krimi …“ – Das beliebte Landespolizeiorchester NRW spielt in Bigband-Besetzung groß auf und zeigt neben Krimimusik, was es sonst noch an fetzigem Sound beherrscht.”
Der Eindruck drängt sich auf: Das Festival dient der Förderung des Tourismus in die Hellwegregion und bietet zahlreiche, möglicherweise sogar unterhaltsame Veranstaltungen. Die vollmundige Feststellung, dass es sich bei diesen regional verstreuten Events, die mehr oder weniger eng mit Kriminalliteratur verbunden sind, um eine der größten Literaturveranstaltung Europas handelt, muss man so gesehen, als Marketingaussage deuten. Das ist im Grunde wie beim Hamburger Dom und dem Münchener Oktoberfest, ersterer hat 9 Millionen Besucher jährlich, letztes 6 Millionen, dennoch gilt das zwei Wochen dauernde Oktoberfest als größtes Volksfest der Welt, denn den Dom gibt es dreimal einen Monat.
Nun will man also von diesem Festival aus European Crime Fiction Star Award vergeben. Was “berechtigt” denn das Hellwegfestival einen Star Award zu vergeben, welche Stars waren und welche sind 2008 präsent ? Was oder wer ist denn überhaupt ein Star im Krimigenre ?
Leo P. Ard (Mallorca), Peter James (England), Bernhard Jaumann (Namibia), Michael Morley (England), Sabina Naber (Österreich), Yrsa Sigurdardottir (Island), Maj Sjöwall und Jürgen Alberts (Schweden/Bremen), Michael Theurillat (Schweiz), Jac Toes und Thomas Hoeps (Niederlande) sind 2008 als europäische Spitzenautoren angekündigt. Da sicher gute Autoren dabei, zum Beispiel die beiden deutschen Autoren Leopard und Bernhard Jaumann, aber Stars ?
Das Bild ändert sich auch nur wenig, wenn man in den Annalen des Festivals blättert. Da sind durchaus gute Autoren dabei, aber ein Beleg dafür, dass hier ein Kompetenzträger für Crime Fiction Stars aktiv ist, sieht anders aus.
Giles Blunt (Kanada), Gianrico Carofiglio (Italien), Vikram Chandra (Indien), Polina Daschkowa (Russland), Âke Edwardson (Schweden), Alicia Giménez-Bartlett (Spanien), Marek Krajewski (Polen), Petros Markaris (Griechenland), Barbara Nadel (England), Jo Nesbo (Norwegen), Leena Lehtolainen (Finnland), Leonardo Padura (Kuba), Celil Oker (Türkei), Val McDermid (Schottland), Heinrich Steinfest (Österreich), Peter Tremayne (Irland), Minette Walters (England).
2. Auswahlkriterien
Nun, soll also durch dieses Festival des Krimis ein Krimipreis verliehen werden und zwar nicht irgendeiner, sondern, wenn große Autoren schon kaum präsent sind, dann ein Preis der einen herausragenden europäischen Autoren würdigt.
Im Wesentlichen ist schon alles hierzu geschrieben. Ein seriöser Preis der einen europäischen Krimiautoren auszeichnet, würde Sinn machen. Aber diese eigenartige (da germanophonophil) Jury, die Wahl des Siegers durch ein Publikum, welches kaum einen der Autoren im Original gelesen haben dürfte und der Klamaukrahmen des Hellwegsfestivals fügt dieser Idee Schaden zu - eine Rolex macht eben noch keinen seriösen Mann.
3. Der Name des Preises
So ganz weiß man eigentlich nicht wie der Name des Preises lauten soll: Ripper Award und/oder European Crime Fiction Star Award; letzterer soll wohl sowas wie ein Programm definieren, wirkt aber im Rahmen einer “Literaturveranstaltung” unpassend.
Es scheint mir so, als wenn die literarisch geneigten Menschen mit dem Namen Ripper Award keine Probleme hätten und gerne darauf verweisen, dass der London Ripper metaphorisiert worden ist.
Der Name der europäischen Auszeichnung verweist auf eine der modernen Großstadtmythen, einen ‘Serienmörder, mit dem das Grauen, aber auch Kriminalität und der Krimi par excellence verbunden wird’, so Sigrun Krauss,
aus kultur:macht:europa und zitiert im Weiteren Susanne Scholz:
“Wären da nicht die kollektiven Ängste und Phantasien, aber auch das ‚schmutzige Unterbewusste’ der viktorianischen Gesellschaft sowie die morbide Faszination der aufstrebenden Gerichtsmedizin (gewesen), hätte ‚Jack the Ripper’ nicht zur Projektionsfigur des Bösen werden können.“ Deshalb könne seine Geschichte „als beispielhaft für kulturelles Erzählen gelten“.
Diese abstrakte Wahrnehmung des Rippers als Großstadtmythos (oder wie ich sagen würde, urban legend) scheint der Vorstellungen mehrerer (-> hier, -> hier, -> hier) zu entsprechen.
Die Geschichte, die einer urban legend zugrunde liegt, muss nicht unbedingt unwahr sein, aber sie ist mindestens verdreht, übertrieben und sensationalisiert. Mir leuchtet nicht ein, warum die Tatsache, dass der London Ripper die Medien anregte und anregt und sein mediales Bild ein Eigenleben begann, so anders sein soll, als das was mit geschichtlichen Ereignissen vor und nach ihm geschah und geschieht. Was hindert zukünftige Preisgeber daran einen Krimipreis für Spionagekrimis nach Adolf Eichmann zu benennen, dessen Gefangennahme durch die Israelis mit dem anschließender Prozess und seiner medialen Aufarbeiten eine gewisse Analogie zur der medialen “Bearbeitung” des London Rippers aufweist. Nur unsere besondere Verantwortung als Deutsche ? Sorry, aber diese wird zukünftig an Bindekraft verlieren. Die Quantität der Opfer ? Zweischneidig und in Bezug auf das einzelne Opfer irrelevant.
Wenn es denn nur um den Ripper als Metapher geht, warum dann die nagende Unzufriedenheit ? Auffallend, dass diese Unzufriedenheit (-> hier, -> hier, -> hier, -> hier, -> hier, ) eher aus dem Milieu der Genreleser kommt - vielleicht steckt im Genre doch mehr als nur amüsante Unterhaltung am Kaminfeuer.
Ich zumindest störe mich daran, dass hier reales Verbrechen, Leid, und Unglück nur noch als Metapher wahrgenommen werden soll. Wie sehr muss Literatur ihre Empathie erzeugende Wirkung verloren haben, wenn man den London Ripper und seinesgleichen so nur interpretieren will.
bernd


Lieber Bernd,
ich seh’ es umgekehrt: das ‘Verbrechen’ ist genau die Metapher, die es ermöglicht, ‘Leid und Unglück’ problemlos zur Kenntnis zu nehmen und als als Stabilisierungsfaktor zu nutzen. Und da sehe ich nicht die Empathieerzeugung (just des Krimis), sondern die Distanzierung, die mit der Reifizierung von Verbrechen in der Genreliteratur erzeugt wird. Wenn man ‘Leid’ mit ‘Verbrechen’ verbindet, setzt man sich in die Bedeutungsfalle, die Leid nur gelten läßt, wenn man es zuschreiben kann.
Beste Grüße!
“Wenn man ‘Leid’ mit ‘Verbrechen’ verbindet, setzt man sich in die Bedeutungsfalle, die Leid nur gelten läßt, wenn man es zuschreiben kann.”
Warum ? “nur” ?
Lieber JL, mein Hintergrund ist weniger ein theoretischer als ein empirischer. Meine (sehr gute und kluge) Deutschlehrerin hatte versucht uns Adoleszenten über Literatur (Lessing, Goethe, Böll usw) die Fähigkeit zur Einsichtnahme zu vermitteln.
Wenn Literatur das (auch) kann, dann ist es in meinen Augen unsinnig, konkretes Leiden (komplett) zu abstrahieren um eine Metapher für gedachtes Leiden zu haben, welches auf anderes konkretes Leiden verweisen soll.
Um den Bezug zum schönen Text von Thea Dorn herzustellen. Der Ripper wie die griechischen Heldenepen sind als Metaphern nutzbar, aber doch mit einem anderen Hintergrund: Nur der Ripper gemahnt uns, dass das Unvorstellbare nicht nur vorstellbar, sondern real ist.
Beste Grüße
Bernd
Lieber Bernd,
ich zweifle, daß wir zusammenkommen — aber was soll’s:
Verbrechen — ist aus meiner Sicht die Fiktion (oder auch der Modus), mit der (in dem) Gesellschaften Leid entsorgen können, jedenfalls das Leid, das als Verbrechen zu bezeichnen ihre Mitglieder sich angewöhnt haben. Flapsig ausgedrückt: dem Loch in meinem Kopf ist es egal, ob ich den, den ich für den Verursacher halte, anzeige oder nicht. Und es ist dem Loch auch weiterhin egal, ob der Verursacher dann verurteilt wird oder ob er sich — beispielsweise — mit Notwehr/Notstand entschuldigen/rechtfertigen kann. Das Loch in meinem Kopf schmerzt, egal, wer auf welche Weise darüber redet, Akten anlegt, Romane schreibt oder was auch immer. Leid kann man in allen symbolischen Repräsentationen zum Gegenstand der Betrachtung machen, man kann den Verursacher als krank, böse oder sonst was bezeichnen, man kann dem Opfer Empathie entgegenbringen und es trösten — aber man kann ea auf diese Weise nicht aus der Welt schaffen. Nochmals anders gesagt: Vom Leid zu reden bedeutet immer, von ihm zu abstrahieren. Sie — Bernd — spüren weder die Schmerzen Hectors noch die der Opfer des Rippers. Sie sind in beiden Fällen auf Ihre Fähigkeit zur Empahtie angewiesen, um das Unvorstellbare für real zu halten.
Daß ich im ‘Ripper’ keinen ‘realen Mörder’ sehen kann, bedeutet genau nicht, daß ich den Opfern der Whitechapel-Morde Realität abspreche (immer unter der obigen Voraussetzung). Wenn Sie von mir verlangen, den Täter, der für diese Leichen (und für die Schmerzen, die dem Leichenstatus vorangingen) verantwortlich ist, zu verurteilen (rechtlich oder moralisch), dann müssen Sie den Täter auch bezeichnen können. Wenn Sie meine Frage einfach mit ‘Ripper’ beantworten, dann bezeichnen Sie keinen Täter, sondern eine einzige Eigenschaft: Verursacher der Whitechapel-Morde. Insofern kann ich Ihrer Abstraktionsfähigkeit nicht folgen, denn diese einzige Eigenschaft macht aus meiner Sicht keinen Menschen, schon gar nicht einen, für den ich Interesse aufbringen könnte.
Damit kämen wir (allzu schnell, ich gebe es zu) zur Literatur, und zwar zur Kriminalliteratur: Sie erinnern sich vielleicht, daß Herr Gohlis neulich Glausers Studer dafür gelobt hat, einen Polizisten in die Literatur gebracht zu haben, der (sinngemäß) versteht statt zu verurteilen. Das ist nur insofern falsch, als Glauser da nicht viel zu erfinden brauchte — Empathie zielt in der Kriminallliteratur seit mindestens 200 Jahren auf den Verbrecher und nicht auf die Opfer und ihre Schmerzen. Dies zu rechtfertigen, ist in Deutschland Gegenstand der ‘Poetiken des Verbrechens’ seit dem späten 18. Jahrhundert und ganz besonders bei Schiller. Sie finden in der Kriminallliteratur (speziell im Genre) Mitgefühl mit den Opfern nur als Alibi, weil und insoweit sie auf den Täter verweisen: die Opfer sind tot und der Täter ist interessant. Nicht umsonst gelten die von Ihrer Deutschlehrerin herangezogenen Autoren in aller Regel nicht als Krimi-Autoren, auch wenn sie sich ständig mit der symbolischen Repräsentation von Verbrechen und Verbrechern beschäftigt haben und wiederum dafür stehen, daß Empathie sowohl den Tätern als auch den Opfern gilt.
Der Ripper ist insofern halt doch Metapher für die Leere (des Nur-Bösen), das die Kriminalliteratur aufzufüllen trachtet. Sie wird von der Möglichkeit angetrieben, Verbrechen zu verstehen und mit Verbrechern Mitgefühl zu haben, und zwar selbst dann noch, wenn sie diese Möglichkeit dementiert. Für Opferdiskurse scheint mir in der Kriminalliteratur heute wie gestern nur geringer Raum zu sein.
Der Ripper-Award ist mir, ehrlich gestanden, scheißegal. Nur drängt sich mir der Eindruck auf, daß von der Polemik gegen ihn die Kriminalliteratur erfaßt wird, und zwar in den Exemplaren, die Sie sonst deswegen hochwerten, weil sie die Unentschiedenheiten und die Ambivalenzen unseres Sprechens über Verbrechen abbilden. Es täte mir leid, wenn ich damit recht hätte (aber dann werde ich mich mit der Lektüre der Moosbrugger-Kapitel im MoE trösten können).
Ich grüße und bitte um Verständnis für diese lange und keineswegs konsistente Einlassung!
Lieber JL.
vielen Dank.
Der Gedanke, dass die Diskussion auf’s Genre zurückfällt, war mir auch schon durch den Kopf gegangen - entsprechendes kannte man in Kommentaren schon vereinzelt lesen.
Und was die täterzentrierte Empathie des Genres betrifft, kann ich Ihnen auch schlecht widersprechen. Diese war z.B. wohl auch der Grund, weswegen Wörtche (als einer der wenigen) so vehement gegen Massimo Carlottos Arrivederce amore, ciao gewettert hatte.
Es gibt allerdings auch eine Besprechung Gohlis, in der er über die Verschiebung hin zur Wahrnehmung der Opfer geschrieben hatte. Und in der Tat meine ich auch, dass das Spektrum des Genres in dieser Hinsicht viel breiter geworden ist (Als altes Beispiel fällt mir Chester Himes fällt ein).
Ich meine Ihre Position zu verstehen und kann ich kann sie akzeptieren (nicht, dass es darauf ankommt). Ohne Zweifel erfordern Texte (fiktive und nicht-fiktive) die Mitarbeit des Lesers und ohne Zweifel sind soziale und moralische Kategorien (Leid u.A.) (sub)kulturell subjektiv und dem Wandel ausgesetzt, aber nur weil ich zwei “Objekte” (Hector und ein Opfer des Rippers) gleichartig “bearbeite” bedeutet es nicht, dass sie gleich sind.
Ein Punkt macht mir ein wenig Sorge. Wenn meine Kinder so alt sind, wie ich es jetzt bin, werden die Opfer und Täter der NS-Zeit voraussichtlich alle tot sein. Was wird verhindert, dass diese Generation dann mit den Taten der Nazis, oder einzelnen Protagonisten der Zeit anders umgeht, als die Macher des Ripper Awards mit den Ripper ?
Die Tatsache, dass der Ripper, anders als Eichmann nicht bekannt ist ? In 30 Jahren ist der eine so wenig konkret wie der andere.
Es geht, so gesehen auch um Respekt gegenüber Opfern.
Beste Grüße
bernd
letzte Bemerkung: an Eichmann können Sie die Ambivalenz gut erkennen: wenn der Täter die Opfer repräsentiert, dann sind alle anderen entlastet und können sich um die Bilder versammeln und über das Täter-Opfer-Verhältnis oder meinetwegen auch über die Banalität des Bösen räsonieren. Ich denke halt, daß das zum Tode führende Amusement durch das abschließende gegenseitige Repräsentationsverhältnis zustande kommt: Täter repräsentiert Opfer (und Leid) und Leid repräsentiert Täter. Das ist der kulturelle Prozeß der Entsorgung, den ich kritisiere.
Beste Grüße.
“Nur der Ripper gemahnt uns, dass das Unvorstellbare nicht nur vorstellbar, sondern real ist.”
Würde der Preis in diesem Sinne vergeben werden, wär`s doch gut.
[...] Vergleiche: ein Exorzismus “Mir leuchtet nicht ein, warum die Tatsache, dass der London Ripper die Medien anregte und anregt und sein mediales Bild ein Eigenleben begann, so anders sein soll, als das was mit geschichtlichen Ereignissen vor und nach ihm geschah und geschieht. Was hindert zukünftige Preisgeber daran einen Krimipreis für Spionagekrimis nach Adolf Eichmann zu benennen, dessen Gefangennahme durch die Israelis mit dem anschließender Prozess und seiner medialen Aufarbeiten eine gewisse Analogie zur der medialen ‘Bearbeitung’ des London Rippers aufweist” (Internationale Krimis). [...]
Schade, dass die Kommentarfunktion bei Nut inaktiviert ist.
Weder werte ich Eichmann ab, noch den Ripper auf, es geht um das Verblassen !
Wir stimmen offensichtlich darin überein, dass Eichmann nicht geht. Stimmen wir auch darin überein, dass Honka nicht geht oder Bartsch ?
Ja ? Warum geht dann Ripper ? Wegen der Zeitspanne die zwischen ihm und uns liegt ? Sorry, warum soll dann nicht auch Eichmann gehen.
Lieber Bernd, Eichmanns Verbrechen waren Staatsverbrechen, bei dem die Täter Gesetz und Gesetzgeber zur Tatzeit auf ihrer Seite hatten. Insofern entspräche es Ihrer Logik, wenn Sie auch gegen den ‘Deutschen’ Krimipreis polemisierten. Genau da liegt der Unterschied, auf den ich Sie seit Tagen vergeblich aufmerksam zu machen suche. (Kt. bleibt inaktiv.)
Beste Grüße!
Lieber JL,
ich glaube nur, dass die gleiche Motivation, die den Ripper Award hervorbringt, irgendwann einmal auch einen Schritt weiter gehen könnte, nämlich dann, wenn die Unmittelbarkeit der Taten des 3. Reiches weiter verblasst.
Ich habe nie bezweifelt, dass Eichmann eine andere Kategorie darstellt, aber er dient dazu, etwas zu verdeutlichen. Ripper und Eichmann habe ich niemals gleichgesetzt, diese Gleichsetzung haben Sie selber in meinem Namen und ohne Legitimation vollzogen.
Sie schlagen mich, meinen aber die Botschaft - vielleicht. Machen Sie mich nicht dafür verantwortlich, dass (vielleicht, darüber wäre zu diskutieren) das 3. Reich relativiert wird. Aber ob es ihnen nun gefällt oder nicht, die Kenntnisse der Menschen in diesem unseren Lande um Eichmann (pars pro toto) sind nicht beeindruckend.
Im Übrigen halte ich nichts davon Verbrechen gegeneinander zu stellen, weder Hitler gegen Stalin noch Hitler gegen den Ripper. Die Verbrechen des Rippers werden durch Eichmann weder besser noch kleiner.
Eine Buchempfehlung mag ich allerdings noch aussprechen: Stalin’s Ghost von Martin Crus Smith mit seiner aus unseren Augen erschreckenden “Gelassenheit” Stalin gegenüber.
Ansonsten schlage ich vor, dass wir den Dialog einstellen. Sie meinen, ich verstünde Sie nicht und ich meine Sie mich nicht. Ich fühle mich von Ihnen in eine Ecke gedrängt, in die ich meine, nicht hinzugehören.
Beste Grüße
bernd
[...] zum sogenannten “Ripper-Award” und zu dessen Namensfindung. Bernd hat unter dem Titel → “Wir amüsieren uns zu Tode: Der Ripper Award - eine Nachlese” einen sehr schönen, umfangreichen Artikel verfasst, in dem er auch auf Aufbau und Organisation [...]
[...] das anhaltende Ripper-Gerippe (an dem ich mich selbst keineswegs widerwillig beteilige) ist schon deshalb kein Kraut [...]
[...] längst nicht mehr um den Massenmörder handle, sondern um eine metaphorische Figur →bei Bernd, in der Diskussion. Das kann man natürlich so sehen, aber ich frage mich ganz pragmatisch - muss [...]