In Jim Crow hatte ich das dunkle Kapitel der Rassentrennung in den USA beschrieben. Kris Nelscotts The Days of Rage schreibt gewissermaßen die Geschichte der afroamerikanischen Emanzipation fort.
Days of Rage spielt im Oktober 1969 und schließt den 04.12.1969 ein. Nelscott greift aber auch ein wenig zurück und stellt die Ermordung Emmett Tills am 28.08.1955 als Auslöser der Freiheitsbewegung dar. Emmett Till war ein 14 jähriger Junge aus Chicago, der zu Besuch im Süden war und nachdem er eine weißen Frau angekuckt oder ihr nach gepfiffen oder was auch immer getan hatte, brutal ermordet wurde. Der Aufschrei der durchs Land ging, die Mutter brachte den Leichnam ihres Sohnes zurück nach Chicago und barrte ihn in der öffentlich auf, führte laut Nescott zu Rosa Parks Verweigerung am 01.12.1955 in Montgomery, Alabama ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen freizumachen. Nachdem sie dafür verhaftet worden war, setzte ein 381 Tage währender Boykott (angeführt durch Martin Luther King) der Busse Montgomerys durch Schwarze ein; am Ende hatten sie sich durchgesetzt, die Segregation wurde dort aufgegeben. Tatsächlich war die Weigerung Parks (so symbolisch herausragend sie war) und der anschließende Boykott, wohl nur eine von vielen Taten, welche die landesweite Segregation untergruben.
Während der 40er und 50er Jahre gab es mehrere Entscheidungen des obersten US-amerikanischen Gerichts hierzu und Lyndon B. Johnson erließ 1964 ein entsprechendes Desegregationsgesetz. Die Benachteiligung bezog sich nicht nur auf Schwarze, sondern auch auf Juden (siehe z.B. If He Hollers Let Him Cry von Chester Himes) und Asiaten.
Man kann sich die Atmosphäre in den späten 60er Jahren gar nicht vorstellen. Zu den Rassenkonflikten kam die durch die anti-Vietnam Krawalle aufgeheizte Stimmung.
In Chicago gab es keine Rassengesetze und dennoch waren Schwarze in manchen Gebieten der Stadt der Willkür ausgesetzt. Anfang Oktober 69 eskalierte die Situation in Chicago. Eine Gruppe von Linken, die sog. Chicago Seven war angeklagt worden, weil es im Jahr zuvor beim Präsidentschaftskonvent der Demokraten zu Ausschreitungen gekommen war (auch natürlich durch die Reaktion der Polizei bedingt). Die Gruppierung der Weathermen (weiße Linke, benannt nach Bob Dylans Subterranean Homesick Blues) versuchte sich die Situation zunutze zu machen, startete Demos und Krawalle (Days of Rage), während derer auch ein Polizeidenkmal zerstört wurde. Primär waren diese Aktionen gegen den Vietnamkrieg gerichtet.
Es gab jedoch in Chicago zu der Zeit eine starke Fraktion der Black Panther, einer linken schwarzen radikalen Gruppierung, deren junger Chef (21 Jahre), Fred Hampton innerhalb der amerikanischen Black Panther zu einer der wichtigsten Personen aufgestiegen war, Nelscott schreibt, dass die Panther von den Days of Rage nicht begeistert waren, den sie führten zu Gegenreaktionen der Polizei. Und diese trafen auch die Schwarzen.
Es gilt heute als gesichert, dass am 04.12.69 einige Mitglieder der Chicagoer Polizei mit Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft des Cook Countys Hampton, sowie mehrere seiner Gefolgsleute in seinem Haus überfallen und in einem Kugelhagel von 98 (!) Geschossen umgebracht haben. Ein Undercover-Informant des FBI hatte Nachts zuvor Hampton ein Barbiturat gegeben, so dass dieser um 1.30 während eines Telefonats mit seiner Mutter einschlief. Die Killer kamen um 4.00 Morgens.
bernd

