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Snitch Jacket ist ein ungewöhnliches, ein eigenwilliges Buch. Es erzählt die Geschichte von Benny Blunt, einem Loser wie er im Buche steht. Vom Stiefvater geschlagen, von der Mutter mit 17 Jahren aus der Wohnung geworfen, ohne Schulabschluss usw. usf. sucht er Zuflucht bei den Drogen … zurück bleibt ein geschundener Körper, eine charakterschwache Seele und die Ehe mit … naja, welche Frau würd’ schon sonst so einen Typ heiraten ?
Benny ist Stammgast in einer Kneipe, die seiner würdig ist; um ihn herum Typen, so überdreht und verrückt, dass es eine Pracht ist. Eines Tages erscheint Mad Dog Miller in der Kneipe, ein Mann so ganz anders als Benny, der prügelt Menschen nicht in die Demut, der blickt sie dorthin; groß und kräftig ist er und erzählt von seinen Abenteuern in Vietnam. Benny und Miller schließen so etwas wie Freundschaft, denn Benny hat eine weitere Schwäche: er hört gern zu … und speichert, fast schon savantsyndromartig alles ab, was er hört oder liest.
Benny erzählt aus seinem Leben und den größeren Teil der Geschichte in der Rückschau, in Untersuchungshaft sitzend, seinem Anwalt berichtend wie es wirklich passierte und warum er unschuldig ist, wo er doch des Mordes angeklagt ist, und eigentlich nur als Spitzel mit Miller unterwegs war … aber es sei dann halt ganz anders gekommen, als von der Polizei vorhergesehen und geplant.
Goffard ist ein wunderbarer Erzähler, keiner der sich in lyrischen Ergüssen ergeht, sondern einer, der die Realität immer leicht persifliert wiedergibt. Sei es, dass er vom Hippiefest in der Wüste berichtet, das sich als postmodernes Konsumevent darstellt (alles zahlbar on-site mit Kreditkarte), sei es ein Einkauf Bennys im Supermarkt, alles wird leicht überdreht und klug humorvoll dargestellt. Dabei sind seine Personen, so abgefahren sie wirken, glaubhaft und stimmig entwickelt.
Snitch Jacket ist sicher kein massenkompatibles Buch, die Wortwahl ist zu schwierig, der Satzbau zu komplex und und die Gedanken lohnen das Nachdenken; von seiner Intelligenz und Kulturbeobachtung her hat es mich ein wenig an Jim Nisbets Dark Companion erinnert. Dabei hat Snitch Jacket eine “richtige” Krimihandlung und steigert sich zum Ende hin zu einem raffinierten Finale. Snitch Jacket ist der eigenständige Erstling eines Autoren, bei dem es eigentlich Lust machen müsste, ihm beim Wachsen zuzuschauen.
bernd

