Donald Goines gehört zu den afroamerikanischen Krimiautoren der ersten Generation. Er ist ein stilbildender Autor und gilt als Begründer des Ghettorealismuses. In simenonscher Geschwindigkeit schrieb er in einem Zeitraum von 5 Jahren, um seine Heroinabhängigkeit zu finanzieren 16 Bücher. Heute ist er wohl der meistgelesene schwarze Krimiautor. Allan Guthrie meint, das läge nicht nur daran, dass Ganoven und Gauner bei ihm im Mittelpunkt stehen, sondern auch an seiner Schreibe: Mit sieben Wörter pro Satz kommt Goines durchschnittlich aus.
Whoreson ist Goines Erstling und erzählt die Geschichte von Whoreson Jones dem Sohn einer Hure. Sein Vorname ist Programm: Geboren im Ghetto Chicagos, von seiner Mutter, einer Nutte großgezogen, wuchs er in Mitten von Huren und Zuhältern auf und erkannte schon mit 11 Jahren, dass er auch Zuhälter werden will. Aber nicht irgendein Zuhälter, nein, ein Pimp, gewissermaßen der Porsche unter den Zuhältern, wollte er werden.
Whoreson erzählt dem Leser (ganz so wie es Icebeg Slim in Trick Baby mit dem Betrügen tat) was es bedeutet, ein guter Pimp zu sein: Er liebte und schlug seine Frauen, hielt sie bei Laune, wusste den kleinen Luxus zu schätzen und musste immer damit rechnen, von der Polizei aufgegriffen zu werden.
Nun ja, was soll man sagen. Goines kommt mit seinem einfachen Stil sehr weit. Er hat sich, meine ich, von Iceberg Slim inspirieren lassen und dieses Buch wurde auch von dessen Verlag veröffentlicht; am Aufbau des Buches lässt sich das erahnen.
Whoreson ist, natürlich, sonst ließen sich die Damen ja kaum bei Stange halten, irgendwie ein überzeugender Typ, … ein Schweinehund natürlich auch. Mit seinem Ehrenkodex und Moralvorstellungen, seinen Ängsten und Hoffnungen ist er dennoch im Grunde ein ganz normaler Mann. Die Sitten und Gebräuche im Ghetto sind hart und haben mit dem Leben, wie es weiße Autoren der Epoche beschreiben, wenig gemein. Wie überhaupt: Weiße kommen in diesem Buch kaum vor, die Segregation ist so gesehen, hier perfekt umgesetzt.
bernd



