Kurzrezension: The Big O von Declan Burke
Januar 31, 2008 von krimileser
Bei der “Reise nach Jerusalem” hätte The Big O keine Chance: Das Buch fällt zwischen alle Stühle. Es ist kein Humor-Krimi, sondern eher unterschwellig komisch, es protzt nicht mit Lokalkolorit, spielt dennoch erkennbar in Irland, es ist kein echter Thriller, verwendet jedoch diese Form und es ist kein noir, geht aber in die Richtung … Wüsste man es nicht schon aufgrund regelmäßiger Lektüre des Blogs Crime Always Pays, dessen Hüter Declan Burke ist, spätestens nach The Big O wäre einem klar, dass hier ein eminent belesener Autor am Werk war, der sich über die Erscheinungsformen des Genres viele Gedanken gemacht hat.
Ausnahmsweise ist es einigermaßen schwierig, das Buch zusammenzufassen. Zu leicht könnte es passieren, dass liebevoll vom Autor ausgelegte Finten verraten werden. Dabei ist die dem Buch zugrunde liegende Idee einfach. Zumeist einzelne Szenen werden in kurzen Kapitel aus der Sicht wechselnder Personen erzählt. Gelegentlich wird eine Szene von einer Person zur nächsten übergeben, so dass der Leser zwei (häufig unterschiedliche) Darstellungen erhält. Sind es am Anfang einzelne Handlungsfäden, die der Autor auslegt, werden diese im Laufe der Geschichte miteinander verflochten und wieder verflochten bis ein kaum noch zu überblickendes Beziehungsgeflecht entstanden ist. Unbarmherzig treibt Burke die Geschichte voran. Immer neue Abhängigkeiten zwischen den Handelnden treten auf und ständig kommt es anders, als man erwartet.
Insgesamt sind es 6 Haupt- und einigen Nebenpersonen, die vor einer Kulisse auftreten, die überall sein könnte - das Buch schreit förmlich danach, als Theaterstücks aufgeführt zu werden. Typisch irisch ist hier insbesondere die Sprache, welche die Menschen sprechen und so nimmt es auch kein Wunder, dass die Dialoge einen wesentlichen Teil der Handlung tragen.
The Big O macht Spaß: Der Humor kommt von hinten, ohne dass Lacher aus der Konserve ankündigen, dass ein Scherz kommt. Die Personen sind kräftig aber stets stimmig gezeichnet. Die besondere Situation Irland als „celtic tiger“ ist Teil des Backgrounds und spannend ist das Buch allemal. Auch wenn der Leser ab einem gewissen Punkt ahnen kann, wohin das Ganze führen wird, fragt man sich bei all den Verwicklungen, wie der Autor das würdevoll zu Ende bringen will.
Das Buch überzeugt (mit dem würdevollen Ende und) auch deshalb, weil es schlichtweg eigenständig ist. Hier riskiert jemand was … und gewinnt. Das im Selbstverlag bei Hag’s Head Press erschienene Buch wird im Herbst in den USA bei einem der großen Verlage ‘rauskommen. Vorbei dann die Zeiten, wo der Autor davon berichten kann, dass das Buch bei Amazon für 195,36 US $ ausgelobt wird.
bernd


[...] Inseln nicht unter Humor, sondern unter der Ladentheke gehandelt würde und Declan Burkes The Big O, der Hüter des Blogs Crime always pays hat mit der zweiten Nominierung für sein [...]