Kurzresension: Jim Nisbets The Gourmet (aka The Damned Don’t Die)
Dezember 6, 2007 von krimileser
Die halbe Nacht wird der Autor pulpiger Horrorgeschichten Herbert Trimble durch die Lustgeräusche aus der Nachbarwohnung wachgehalten. So sitzt er da und sinniert über ein neues Buch. Als am nächsten Morgen die Polizei in seine leere Wohnung eindringt, nachdem in jener Nachbarwohnung ein grausiger Fund gemacht wurde, findet sie einen Bogen mit der ersten Zeile in seiner Schreibmaschine: “I’ve always wanted to skin a woman“.
Privatdetektiv Martin Windrow, ist eher zufällig am Ort, eigentlich wollte er dem Schriftsteller nur die Scheidungsurkunde übergeben. Aber der gute Mann ist ausgebüxt, kein Wunder eigentlich. Die Frau aus der Nachbarwohnung wurde brutalst zugerichtet, eine Brust abgeschnitten und die Wände sind über und über mit Blut. Ein Bild, es hätte von Francis Bacon stammen können und mittendrin ein frischer Fingerabdruck Trimbles.
Wir begleiten Windrow und lernen mit ihm „gay francisco“ (Wortspiel beabsichtigt) kennen. Drag Queens, Bondage, bisexuelle Gruppenorgien: Die bürgerliche Gesellschaft San Franciscos sucht die Abwechslung. Und Windrow wird von einem Interessenvertreter der „Gay Community“ gebeten, sich des Falles anzunehmen, damit dieser nicht benutzt wird, um Stimmung gegen die Homosexuellen zu machen.
The Gourmet oder, wie die Ausgabe hier aus dem Jahre 1986 lautet: The Damned Don’t Die ist Jim Nisbets Erstling aus dem Jahr 1981. Es ist eine kurze knappe Geschichte im klassischen hardboiled Stil. Viel ist hier schon zu besichtigen von der üppigen Prosa Nisbets. Dass er zeigen und nicht erzählen soll, weiß er natürlich, aber diese exaltierte Wortwahl (wer bezeichnet schon jemanden als ornithomorph) ist wunderbar eigenwillig. Ebenso überdreht sind die Charaktere des kleinen Büchleins und am Ende steht auch wieder diese Sehnsucht nach dem Finstern und Dunklen, wie es bei -> Dark Companion auch wieder zu Tage treten wird.
bernd

