Kurzrezension: Vincent Alexandrias Black Rain
November 22, 2007 von krimileser
Diese Besprechung verdankt ihre Existenz nicht der Qualität des besprochenen Buches, sondern meinem Bestreben afro-amerikanische Krimis zu dokumentieren. Würde man als Beurteilungsmaßstab für dieses Buch nur das nehmen, was der Autor mit seinem Text darstellen wollte, könnte man Black Rain von Vincent Alexandria vermutlich sogar solide Qualität bescheinigen. Alexandria schreibt eloquent und flüssig, kann Gefühle ‘rüber bringen und einen komplexen Thriller halbwegs strukturieren.
Joe Johnson, Polizist in Kansas City erhält eines Nachts den Anruf einer Kollegin vom FBI, die verdeckt tätig ist und in Not geraten ist. Sie hat sich bei einem Ring korrupter Polizisten eingeschlichen, die im großen Maßstab Drogengelder abschöpfen. Mit seinem Dienstpartner und mehreren Freuden aus der Jugendzeit macht Johnson sich auf ihr zu helfen. Schritt für Schritt sammelt Johnson seine Truppe zum Schlag gegen die korrupten Kollegen.
Nicht immer ist die Geschichte und sind die Handlungen der Protagonisten ganz widerspruchsfrei. Aber darauf soll es gar nicht ankommen, denn Alexandria hat eine Botschaft und die versucht er mit Macht unter die Leute zu bringen. Sind Bücher mit Botschaft, die der eigenen Meinung entsprechen, häufig schon unerträglich. Geht Black Rain, in meinen Augen einen Schritt weiter. Der Autor ist ja nicht der erste, der im Vorwort seine Nähe zu Gott betont. Aber selten quoll diese Nähe so penetrant aus dem Buch. Da genügt es nicht, das die Familie sich zum Gebet an den Tisch sitzt (durchaus eine verbreitete Sitte, ich weiß das). Nein, da findet sich im Buch auch noch das komplette (Tisch-)Gebet … und das nicht nur einmal, sondern gleich zweimal auf den ersten 50 Seiten. Und glaube niemand, dass diese Gebetstexte dem Text noch irgendetwas Substanzielles hinzufügten.
Man kann hier schlicht von Genreverfehlung sprechen. Schon stilistisch ist diese Mischung aus Krimi und „romantic novel“ für Krimileser kaum zu ertragen. Nicht ohne Grund lautet die Empfehlung aus berufenen Mund Adverbien zu vermeiden – oder zumindest mit ihnen sehr sparsam umzugehen. Wer wissen möchte, wie sich ein mit ihnen aufgepolsterter Text liest, hat hier reichlich Gelegenheit dazu. Das Buch ist nicht nur voll mit Klischees, sondern breitet sich noch langatmig über diese aus. Da lässt sich Johnson über die Liebe in und zu seiner Familie aus, dass die Tränendrüsen die weiße Fahne hießen, seine vierjährige Tochter ist natürlich besonders schön und besonders klug usw. : Szenische Adverbien, das ganze Buch ist voll damit.
Alexandria erzählt die Geschichte durch einen häufigen Wechsel der Perspektive. Ganz eigen sind die Dialoge der Truppe, die sich auf die Suche nach der Kollegin Johnsons macht. Sie bestehen zum größten Teil aus Angefoppe im Sinne eines Rapdauerstreits. Vereinzelt sind sie ganz witzig, aber auf Dauer nervig und sie passen gar nicht zum Gefühlsdusel des restlichen Textes.
Damn, Joe. You slippin’, dude. You ain’t told the man about me. Well, Vernon, I was MVP of the Kansas City Central Blue Eagle 1960 Missouri basketball and football teams. My friends started calling me Mo-Mo ’cause I gets mo’ of what the average man gets or wants, and the ladies think I’m mo-licious, because I mo-mo-rize them.
Alexandria hatte vor Black Rain einige Krimis geschrieben, die alle in einem eigenen Verlag (We Must X-L Publishing) erschienen waren, zudem ist er im Namen einer selbstgegründeten gemeinnützigen Organisation unterwegs. Im Gegensatz zu seinem Buch offensichtlich ein interessanter Mann.
bernd

