Kurzrezension: Craig Johnsons Death Without Company
November 8, 2007 von krimileser
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Walt Longmire ist Sheriff von Absaroka County, irgendwo in den Weiten Wyomings, am Rande der Rocky Mountains. Es ist eine wenig bevölkerte, ja tief ländliche Region, wo der Gerichtsmediziner von außerhalb kommen muss, wenn er benötigt wird und ein Labor zur Untersuchung von Proben weit weg ist. Wie dem Leser des Buches Johnsons häufiger vor Augen geführt wird, ist es eine Landschaft von berückender Schönheit, die einst viele (unterschiedliche) Indianerstämme beherbergte, die heute in Reservaten leben.
Seit 22 Jahren ist Longmire dort Sheriff, Land und Leute sind ihm vertraut. Viel zu tun gibt es nicht, schlechte Verkehrsverhältnisse im Winter sind häufiger als Verbrechen. Alleine, in der letzten Zeit passiert mehr als im lieb ist: Die Ereignisse des letzten Buches, The Cold Dish liegen gerade einen Monat zurück und Longmire leckt noch an den Wunden, verlor er doch die Frau, die er liebte.
Sein Vorgänger lebt in einem Altenheim und ruft ihn an, als eines Tages die Leiche einer anderen Bewohnerin gefunden wird. Ein Mord soll es gewesen sein. Eine rätselhafte Person war die Tote zumindest, denn als Longmire sich mit der Frau und ihrer Vergangenheit beschäftigt, findet er eigentümliches, gerade so als sollten da Dinge verborgen werden.
Das wächst sich aus zu einem veritablen Krimi, der dem Whodunit deutlich näher steht als dem Thriller und am Ende mit einem knackigen Showdown aufwartet. Unterstützt wird Longmire von einer Gruppe eigenwilliger Typen, sei es Victoria Moretti, seine Stellvertreterin, deren Zunge schmutziger ist als der Boden der Gefängniszellen der Polizeistation oder Henry Standing Bear, der stoische Nachfahre von Indianerhäuptlingen.
Die Darstellung der Personen ist eine Stärke des Buches und so gruppiert Johnson auch einen wichtigen Konflikt des Buches um Longmire und seinem Vorgänger und verdeutlicht wie sehr sich die Berufsauffassung und die Spielräume in den Jahren gewandelt haben.
Und doch, viele seiner Szenen baut Johnson so auf, dass dem Leser überhaupt nicht klar ist, wer da mit wem spricht. Das soll wohl Spannung schüren und wirkt doch eher affektiert und bringt einen immer wieder aus der Konzentration. Manchmal schwätzt Johnson auch ein wenig, wohl aus Angst seine Leser zu überfordern. Zum Beispiel wenn er von den tätowierten Nummern auf dem Arm eines alten Arztes mit dem Namen Dr. Isaac Bloomfield erzählt und später ausführlich erläutert, dass dieser Arzt einer der wenigen Überlebenden von Nordhausen war oder wenn er sich darüber ausbreitet, wie eigenartig es doch sei, dass just dieser Arzt auf deutsche Autos der Marke Mercedes schwört.
Wenn der melancholische Longmire mal wieder aus dem Fenster auf die berückende Landschaft starrt, dann allerdings ist die Welt dieses Buches in bester Ordnung.

