(Über verschiedene Hilfen für Autoren)
Als Kind hatten mich immer die Anzeigen in den Boulevardblättern fasziniert, welche Schreibunterricht anboten und eine schnelle Ausbildung zum Schriftsteller verhießen. Mehr denn je scheint heute ein Bedürfnis zu bestehen, durch kurze Lektüre von einigen Lektionen zum kompetenten Wortschmied zu avanzieren.
Ludger Menke hatte schon wiederholt einige, mitunter unfreiwillig komische Beispiele auf seiner Seite genannt (-> hier zum Beispiel).
Wer sich ernsthafter informieren möchte und Rat von Autorenkollegen einholen will, nutzt möglicherweise das Montsegur Autorenforum. Obwohl ich fürchte, dass einem Infos wie
Ich habe mich sowohl mit Christies und Simenons Krimis beschäftigt (auch D. Leon zählt dazu)
Der Aufbau ist simpel und heute nicht mehr zeitgemäß, kann also m.E. nicht mehr als Vorbild, und somit Regel, gelten.
Der Publikumsgeschmack hat sich spätetstens seit D. Brown geändert.
Es sind andere Ideen und somit plots gefragt.
nicht wirklich weiter helfen.
Auch erfolgreiche Autoren probieren sich im Schreiben von Ratgebern. Auf Walter Mosleys This Year You Write Your Novel hatte ich schon einmal hingewiesen und wer sich mit Glückseuphorie zudröhnen möchte, für den könnte auch Dara Girads The Writer Behind the Words etwas sein. Am häufigsten genannt wird jedoch Stephen Kings On Writing (deutsch: Das Leben und das Schreiben). Ein eher kleines Buch, dessen erster Teil eine Art Lesebiographie Kings darstellt, während es im zweiten Teil Grundsätzliches zum und über’s Schreiben bringt. Es ist ein unterhaltsames und interessantes Büchlein, eher, so vermute ich, für Autoren mit ein wenig Erfahrung und vielleicht in Teilen etwas zu sehr auf die USA zugeschnitten.
Diese Woche stellten Poe’s Deadlys Daughters zwei jeweils fünfteilige Beratungsserien fertig. Während ich bei den Jungautoren, an die sich die Beiträge richten sollen, grauenvolles erahne, sollten sie mit den Inhalten vorher nicht vertraut gewesen sein, scheinen mir diese how-to Serien für Leser interessant.
Sharon Wildwind beschäftigte sich in ihrer Serie mit typischen Fehlern von Autoren – nicht unbedingt neu, aber schön zusammengestellt. Mit einigen Beispielen peppt sie ihre Serie auf – den Lesern des Blogs (siehe Kommentierungen) schien es zu gefallen. Sie stellt folgende Kardinalfehler vor:
• Violence as dialog (VAD) Brutalität, Gewaltdarstellungen
So schreibt sie über Gewaltdarstellungen, dass diese Dialoge ohne Worte seien. Sie sollen die Story voran bringen und glaubwürdig eingebunden sein: Ein Protagonist muss zur Gewalt fähig sein und z.B. eine Schlägerei müsse man ihm hinterher anmerken.
• Very special old pale (VSOP) Reduzieren
Darstellungen sollten so in den Kontext eingebunden sein, dass sie eine Verbindung zu den Personen oder der Haupthandlung haben und nicht isoliert als Hintergundsgeschichte (back story) dastünden. Als typisches Beispiel ungeschickter Hintergrundsgeschichte sieht sie den Prolog, weil er häufig in Darstellung und Erzählperspektive von der eigentlichen Geschichte abweicht.
• Stop telling, start showing (STSS) Zeigen nicht erzählen
Some writers never see the micro-second between does this and did this. That hangs them up forever in the land of telling. If you can see the gap, you can bridge it!
Unabhängig von der Erzählperspektive sollten emotionale Teile der Geschichte so dargestellt werden, dass der Leser sich selber ein Bild über die Gefühle einer Person machen kann; der Text werde dadurch 3-4 mal so umfangreich. Zusammenfassungen von Ereignissen dürfen auch erzählt werden.
• Perfectly nice syndrome (PNS) Unheimlich nett
Reale Menschen (auch Helden) haben auch Schwächen und reagieren auf Ereignisse; spiegelt sich das nicht im Buch wider, wirke der Text schaal und leer.
• What body language? (WBL) Körpersprache
Sechs Regeln (nach Sherry Lewis) um die Gefühle einer Person darzustellen:
- What you do not write does not exist.
- You can not assume that the reader knows what the character is feeling.
- Resist the urge to hurry. Stay in the scene from second to second, from goal to disaster.
- Use strong verbs: • rooted–flipping–bounded–skidded–manage
- Stimulus first, then reaction or you created that half-second delay that means you’re telling rather than showing.
- Layer: dialog, body language, emotions leftover from a previous scene, sensory texture
Dabei beschreibt sie im letzten Teil ausführlich, wie sie Ausdrucke ihrer Texte mit unterschiedlichen Farben markiert, die den verschiedenen zum Schluss genannten Schichten entsprechen. Sollten bei der Betrachtung aus größerer Entfernung Farben fehlen oder überrepräsentiert sein, feilt sie entsprechend am Text nach.
Dagegen ist die Series von Lonnie Cruse über die Möglichkeit sich Informationen zu verschaffen, weniger interessant. Angetrieben von dem Bestreben möglichst wahrheitsgetreue Krimis abzuliefern, betont sie die Möglichkeiten des Internets, von Zeitungen, zufälligen Beobachtungen auf der Strasse und Fachleuten zur Beschaffungen von Wissen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Fachleute gerne über ihr Spezialthema redeten, denn offensichtlich seien sie Fachleute, weil ihnen ihr Thema Spaß macht.
Da steckt zuweilen eine Naivität dahinter, dass einem die Worte fehlen:
Word of caution, check SEVERAL websites on ANY subject to gather information as some sites may be phony or running a scam.
Nun kenn ich ja die Bücher von Lonnie Cruse nicht, aber diese Serie macht auf mich einen derart kunstlosen Eindruck, dass ich auch nicht sehe, warum ich das ändern sollte.
Denn letztendlich ist es wohl so wie King schrieb: Ratgeber können aus einem schlechten ein ordentliches Buch machen, mehr ist aber nicht drin.
bernd




Kings Buch war eines der Ersten, das mir in die Finger gekommen ist. Damals war ich wirklich begeistert. Seine Herangehensweise situationsgetrieben und nicht mit einem Plot zu schreiben hat mir sehr gefallen. Das war auch genau der richtige Ansatz, für einige Kurzgeschichten die folgten.
Wenn dir diese Methode liegt, ist das sicher das beste Buch auf dem Markt.
Als ich dann meinen Roman zum ersten Mal begonnen habe, bin ich genau so verfahren. Mit dem Resultat, dass sich meine Charaktere irgendwann einfach gestreikt haben.
Zugegebener Maßen lag das auch zum Teil daran, dass sie vielleicht immer noch nicht genug ausgearbeitet waren. Auf jeden Fall bin ich so auf „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von Frey gestoßen. Das ist vor Allem was die Charaktererschaffung an geht wirklich sehr gut geschrieben. Was mich ein wenig stört ist die Fixierung auf die Prämisse und die Beispiele sind auch ein wenig trickreich ausgewählt, bisweilen schlecht, aber ansonsten ist es wirklich in Ordnung.
Mein absoluter Favorit ist „Stein on writing“. Die Teile über Charaktererschaffung,Plot, Dialog, Beschreibung und insbesondere der letzte Teil über das Korrekturlesen sind einfach genial. Da bekommst du wirklich das Gefühl, dass er sich Gedanken gemacht hat.
Ich hab es zwar nur auf englisch, weil es auf deutsch so gut wie nicht zu bekommen ist. Aber ich muss sagen, es lohnt sich wirklich.
Liebe Grüße
Jacky
Bei Stein on Writing sollte es sich wohl um -> dieses Buch handeln. Wer es lieber auf deutsch mag, für den sollte es aber auch -> zu erhalten sein.
[...] of Latin derivation and made action verbs king of the sentence.” ein Stil der auch sehr von Stephen King [... :] “Read, read, read. Write, write, write. And lose the adverbs.” oder Elmore Leonhard [...]