Kurzrezension: Kris Nelscotts Dangerous Road
Oktober 4, 2007 von krimileser
(Und ein Vergleich mit James Ellroy)
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James Ellroys The Cold Six Thousand (deutsch: Ein amerikanischer Albtraum) ist eine wüste Reise durch die 60er Jahre, die von der Ermordung J.F. Kennedys bis zu der seines Bruders Robert reicht. Das organisierte Verbrechen, der Ku Klux Klan, Exilkubaner, der Multimillionär Howard Jones, FBI und CIA werden in einer kaum noch zu durchschauenden Gemengelage zusammengeführt -womit Ellroy dem Leser wohl metaphorisch deutlich zumachen versucht, dass da freiwillig und unfreiwillig, bewußt und unbewußt Allianzen entstanden, die für die weitere Entwicklung der USA verantworlich waren.
Mag ja alles sein. Dennoch: Im Grunde ist das Buch eine Enttäuschung: Von Aufbau und Ablauf entspricht es zu sehr seinem Vorgänger American Tabloid (deutsch: Ein amerikanischer Thriller) und auch sprachlich bleibt, außer einigen schönen Allegorien, wenig lobenswertes. Zu sehr ähnelt es dem Versuch, einen schon fast ausufernden Krimis auf SMS-Stilistik zurückzuschneiden.
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Warum Ellroys The Cold Six Thousand ? Weil es in gewisserweise den Kontrapunkt zu Kris Nelscotts Buch Dangerous Road darstellt. In beiden Büchern spielt die Ermordung Martin Luther Kings eine wichtige Rolle. Bei Ellroy aus der Sicht des konspirierenden FBI, der die Ermordung des Bürgerrechtlers plant und organisiert. Bei Nelscott aus der Sicht “Smokey” Daltons, einem schwarzen Privatdetektiv aus Memphis.
Wie es der Zufall will, waren Martin Luther King und Smokey in ihrer frühen Jugend in Altanta sogar befreundet (aber das hat für den Verlauf der Geschichte keine große Bedeutung). Mit zwölf Jahren musste Smokey Atlanta verlassen: Seine Eltern waren gelyncht worden und er wurde von Adoptiveltern in Washington D.C. aufgenommen.
Eines Tages erhält Smokey, nun als Privatdetektiv in Memphis tätig Besuch. Eine junge weiße, aristokratische Frau will herausfinden, weswegen ihre Mutter Smokey 10.000 $ hinterlassen hat. Was sie nicht weiß, Smokey hatte schon einmal aus anonymer Quelle 10.000 $ erhalten. Letztendlich beauftragt sie ihn, aufzuklären, weswegen ihre Mutter dieses Erbe hinterlassen hat und schnell wird klar, dass die Lebensgeschichten der beiden zusammenhängen müssen.
Nelscott gestaltet aus den Leben der beiden eine spannende Geschichte, klar und einfach geschrieben, die zuweilen herzenswarm und witzig ist und Smokey als sorgfältigen Detektiv zeigt - bis dann der Malstrom seiner Vergangenheit ihn zu zerreißen droht.
Schmuckstück des starken Buches ist jedoch seine Darstellung der Atmosphäre des Memphis der 60er Jahre. Wo die rassichen Auseinandersetzungen um einiges härter waren, als zur gleichen Zeit im Kalifornien (-> hier oder -> hier) von Walter Mosleys Easy Rawling. Der Konflikt zwischen Weiß und Schwarz in Memphis kristallisiert sich am Streik der Stadtreinigung, deren (durchweg schwarze) Arbeiter sich weigern weiter für Hungerlöhne zu arbeiten, während der weiße Bürgermeister mit aller Macht versucht, den Streik zu brechen.
Die Auseinandersetzung mündet in einer Strassenschlacht und während man bei Paula L. Woods und Walter Mosley eher das Nachher und die Verwüstungen sieht, sind wir hier diesmal mittendrin.
Kris Nescott ist das Pseudonym von Kristine Kathryn Rusch, offensichtlich einer literarischen Tausendsasserin, die Krimis, Romanzen, Science Fiction, und Fantasy Bücher geschrieben hat. Allein zwischen 2000 und 2006 hat sie 19 Bücher ‘rausgebracht (einige davon auch ins Deutsche übertragen), von denen mehrere Auszeichnungen erhalten haben. So war Dangerous Road nicht nur für den Edgar nominiert, sondern auch Gewinner des Herodotus Award für den besten historischen US Krimi des Jahres, was zumindest zeigt, dass auch andere das Buch und seine Historizität schätzen.
bernd

