Kurzrezension: The Bottoms von John R. Lansdale
August 27, 2007 von krimileser
(Deutsch: Die Wälder am Fluss)
Was bitte ist ein Genreautor ?
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Joe R. Lansdale sei Genreautor, schrieb dpr und führte im Weiteren aus, wie vielgestaltig das Oeuvre Lansdales ist. Fantasy, Horror, Western, Science Fiction, Krimis, Porn … einem bestimmte Genre lässt sich Lansdales Werk jedenfalls nicht zuordnen - der diesjährige Grand Master des World Horror Convention erhielt übrigens “lediglich” einen Edgar, aber mehr Bram Stoker Awards, als ein normaler Mensch Finger an einer Hand hat.
Also Genre vielleicht im Gegensatz zu Literatur ? Vermutlich auch nicht, schließlich wird gerade dpr nicht müde zu betonen, dass Krimis, … und Literatur keine Gegensatzpaare darstellen. Und überhaupt … Bücher die keinem Genre angehören, gibt es die überhaupt ? [Nö !]
Lansdale selber präsentiert sich auf einer homepage als champion mojo storyteller, als Geschichtenerzähler also, mit Bezug auf die afroamerikanische Tradition des Übersinnlichen (-> hier). Und in der Tat ist Lansdale in aller erster Linie ein regionaler Autor, tief verwurzelt in Landschaft und Tradition Osttexas. Genreautor also wie Genremaler ? Vermutlich ! Sein Buch The Bottoms (deutsch: Die Wälder am Fluss) ist ein wunderbares Beispiel für Lansdales Qualitäten und eine der Perlen des Krimigenres:
Der 11 jährige Harry Crane lebt mit seiner jüngeren Schwester und seinen Eltern in einer kleinen Hütte auf einem kleinen Stück Land am Rande der Bottoms, einem Stück Vegetation, halb Wald, halb Sumpf, unzugänglich und angstbesetzt. Die Geschichte spielt in die frühen 30er Jahren, als die (Wirtschafts-) Depression mit einer heute unvorstellbaren Not herrschte und auch die Natur den Menschen meistens nicht gab, was sie brauchten.
Es war die Zeit und die Gegend in der es noch nigger gab, Rassenschranken auch verbal aufrecht erhalten wurden, Schwarze einander umbringen durften, ohne dass die „weiße“ Justiz einschritt und der Ku Klux Klan schwarze Männer lynchte, die sich weißen Frauen (mit welchen Absichten (auf Seiten der Männer und Frauen (!)) auch immer) näherten.
Wer also interessiert sich für die Leiche einer Schwarzen ?
Es war aber auch die Zeit des Aberglaubens und der Sagen und Mythen. Welche, ebenso wie Armut und Sex, Weiße und Schwarzen mehr verbanden, als man sich damals eingestehen wollte.
He [der Goat Man] was supposed to steal animals and children, and though I didn’t know of any children that had been eaten, some farmers claimed the Goat Man had taken their livestock, and there were kids I knew claimed they had cousins taken off by the Goat Man, never to be seen again.
Harrys Vater ist nebenberuflich als Dorfpolizist tätig und hatte immer einen offenen Umgang mit den Schwarzen gehabt. Als Harry in den Bottoms die Leiche einer schwarzen Frau findet, versucht sein Vater, gegen alle gutgemeinten Ratschläge der weißen Umgebung, den Tod aufzuklären. Da Harry in einem Alter ist, in dem er langsam von der Kindheit Abschied nimmt, begleitet er seinen Vater oder schleicht ihm auch schon mal hinterher und ist so Beobachter und Berichterstatter. Harry erzählt die Geschichte viel später, als alter Mann, was Lansdale erlaubt, ihm mehr Wissen zu zugestehen, als er damals haben konnte.
“The Bottoms” entfaltet sich zu einer archaischen Geschichte, die sich auf die lokalen Mythen und Sagen bezieht und somit auch mit Harrys Ängsten “spielt”, einen zutiefst humanistischen Kern hat, wunderbar (ach was: wunderbarst) im Stille eines Geschichtenerzählers vorgetragen ist und natürlich dem “Volk” auf Maul schaut.
Dat ole Travelin’ Man, he someone you don’t want no truck with, boy. They’s folks wants to have anything at any ole price. Wants it so bad, they makes ‘em a deal.
Als Harry ein alter Man ist, exitiert The Bottoms, das Stück Vegetation nicht mehr. Es musste Parkplätzen und Einkaufspassagen weichen: Es schwingt in dem Buch auch ein Stück Wehmut mit. Wehmut darüber, dass diese in Natur und Geschichten geheimnisvolle Welt nicht mehr ist.
bernd
Wer sich von den Qualitäten des Geschichtenerzählers überzeugen will, hat jede Woche aufs Neue auf Lansdales homepage die Gelegenheit dazu (-> hier)



[...] auch nur “unangemessen” behandelte, konnte tödlich für ihn sein (siehe Joe Lansdales The Bottoms (deutsch: Die Wälder am Fluss)). So war dann ein entscheidendes Ereignis, welches zum Ende der [...]